Strenge Regeln, aber Sozialmusterland: LR Dörfel im Interview

Bilder: Life Radio

Viele Oberösterreicher kommen trotz Arbeit kaum über die Runden, in der Pflege fehlt Personal und Jugendliche kämpfen mit psychischen Problemen: Soziallandesrat Christian Dörfel stellt sich im Life Radio-Interview den brennenden Fragen, die die Menschen im Land beschäftigen. Wir haben nachgefragt, was das Land 2026 im Sozialbereich plant. Dörfel:

„Also das Jahr 2026 wird ein sehr arbeitsreiches Jahr und wir haben drei Schwerpunkte definiert. Das eine ist Betreuung und Pflege, zukunftsfit machen angesichts der alternden Gesellschaft und der Herausforderungen, die damit verbunden sind. Das zweite ist Integration weiter fortzuführen mit klaren Regeln. Dazu haben wir ja die Hausordnung. Und die dritte große Herausforderung wird sein, dass wir die soziale Unterstützung treffsicher machen. Auf der einen Seite, dass wir die Bezugsdauer der Sozialhilfe verkürzen können und durch ein ganz klares System das Vertrauen in den Sozialstaat wieder stärken können. So dass so Fantasiebeträge oder nicht nachvollziehbare Unterstützungsleistungen, wie es zum Beispiel im Bundesland Wien ist, dass das deutlich wird, dass das in Oberösterreich nicht möglich ist, dass es bisher schon nicht möglich war und auch in Zukunft nicht. Und das sind die drei Schwerpunkte.“

Die Herausforderungen sind auf jeden Fall groß, denn immer mehr Menschen brauchen soziale Unterstützung, so Dörfel:

„Also es gibt einen roten Faden durch das gesamte Ressort und wir haben ein sehr dichtes soziales Netz, wo die einzelnen Organisationen und Unterstützungsmaßnahmen ineinander greifen. Die Hauptaufgabe ist aber quer durchs ganze Ressort, dass wir deutlich machen, dass wir Menschen, die aus irgendwelchen Gründen in einer schwierigen Situation sind, dass wir die unterstützen, dass wir aber gleichzeitig auch erwarten, dass sie einen Beitrag dazu leisten, dass sie ihre Lage verbessern. Und zwar im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten, aber es geht um die Balance zwischen Hilfe zur Selbsthilfe und Unterstützung und Eigenverantwortung und Mitwirkung. Und das ist das Besondere, dass man das auch in den Köpfen der Menschen verankert.“

Nicht nur Erwachsene kämpfen mit den aktuellen Krisen – besonders Jugendliche stehen unter Druck. Auf sie will Dörfel ein besonderes Augenmerk legen, vor allem auch deshalb, weil Jugendliche immer öfter auch mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, sagt der Soziallandesrat:

„Wir wollen ja ansetzen, dass die psychischen Probleme erst gar nicht entstehen oder nicht in dieser Dimension entstehen, dass man hier wirklich fachmännische Hilfe braucht. Daher bieten wir Workshops an unter dem Titel fürs Leben Lernen mit dem Schwerpunkt mentale Gesundheit. Und da geht es darum, wie verhalte ich mich, wenn ich mich nicht wohlfühle, wenn ich irgendwie glaube, jetzt wird mir alles zu viel. Da gibt es ganz einfache Tipps eigentlich: Es geht nur bis hin, Lieblingsmusik auflegen und einmal gar nichts tun und das Handy weglegen, wenn ich es ganz vereinfacht sagen darf. Aber es zielt auch darauf hin, dass die Freunde oder Schulkollegen sensibilisiert werden, wenn sie feststellen, dass irgendeiner aus der Clique jetzt anders ist, als wie man bisher kennt.“

Thema Migration: Oberösterreich ist strenger als andere Bundesländer, gerade erst sind Kürzungen der Unterstützungen beschlossen worden, falls etwa Deutsch-Kurse nicht besucht werden. Dörfel:

„Also bei uns ist einmal ganz klar, dass wir von den Personen, die zu uns kommen, erwarten, dass sie eine Leistung erbringen. Und zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Und diese Leistung kann ganz unterschiedlich sein, aber jedenfalls geht es darum, dass sie daran mitwirken, dass sie sich integrieren. Wir sagen, Integration ist Pflicht und kein Angebot. Das heißt, wir erwarten, dass sie von Anfang an wissen, wie verhält man sich in Oberösterreich, was geht bei uns und was geht nicht. Und das setzen wir auch durch.“

Stichwort Pflege: Personalmangel ist ein Thema, das nach wie vor akut ist, aber mit Fachkräftestrategien in dem Bereich versucht man, das in den Griff zu bekommen, sagt Christian Dörfel:

„Wir bilden derzeit so viele Personen aus wie noch nie in den Pflegeberufen. Ich glaube derzeit sind über 2000 in der Ausbildung. In den letzten beiden Jahren haben 1500, also jeweils ca. 750 Personen pro Jahr die Ausbildung abgeschlossen und sind jetzt in den Pflegeberuf eingestiegen. Das führt dazu, dass wir zum Beispiel jetzt die Anzahl der leerstehenden Betten in den Heimen, die wegen Personalmangel leergestanden sind, wesentlich sinken konnten. Wir brauchen aber aufgrund der alternden Gesellschaft Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte. Das ist ganz einfach die Hauptaufgabe. Egal welche Betreuungsform wir anbieten und welche Betreuungsform das dann auch angenommen wird.“

Zuletzt hat Oberösterreich auch versucht, Pflegekräfte aus den Philippinen und Kolumbien zu holen. Dass da manche Pflegekräfte in Österreich zuerst skeptisch waren, haben wir ernst genommen, so Dörfel:

„Naja, es war wie immer, wenn was Neues kommt, gibt es natürlich Vorbehalte. Wo können wir die wirklich helfen? Können die auch Deutsch? Und ja, überhaupt, sind die gut ausgebildet? Das sind so Sorgen, die muss man ernst nehmen, wenn man ein neues System einführt. Aber jetzt hat sich das schon eingependelt, dass sie das als wertvolle Unterstützung sehen. Weil sie sehen, dass diese Personen erstens schon einmal mit Grundkenntnissen Deutsch nach Oberösterreich kommen, dass sie auch sehr gut ausgebildet sind. Sie müssen eine kleine Aufschulung noch machen, dass sie dann voll einsatzfähig sind. Aber wir haben ja in den Heimen zum Beispiel sechs verschiedene Berufsgruppen und da jede helfende Hand zählt.“

Landesrat Christian Dörfel im Interview mit Nachrichtenchefin Barbara Schütz