Teurer Sprit, Unternehmen und Kasberg: LH Stelzer spricht Klartext

Bilder: Life Radio

Die Krise im Nahen Osten treibt die Spritpreise auch in Oberösterreich in die Höhe. Betriebe wissen nicht, ob es sie auch im nächsten Jahr noch gibt. Und wann soll der Kasberg in die Seilbahnholding aufgenommen werden? ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer hat im Life Radio Interview zu diesen und weiteren dringenden Themen für Oberösterreich Antworten geliefert.

Hier die einzelnen Themen zum Nachhören:

Die Herausforderungen liegen am Tisch – 2026 braucht klare Ziele für Oberösterreich, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer:

„Also für unser Land haben wir das wichtigste Ziel, dass wir ein Technologie-, ein Wirtschafts- und damit auch ein Arbeitsplatzland bleiben, trotz all dem, was rund um uns auf der Welt passiert, damit die Leute ein verlässliches Einkommen haben und sich daher auch das Leben leisten können. Das zweite Stichwort Technologieland, dass wir bei einigen der großen technologischen Entwicklungen vorne mit dabei sind, haben wir gute Chancen dazu, Stichwort KI. Und das dritte ist politisch gemeint, vielleicht auch persönlich ein Schlankmacherprogramm, nämlich ständig darauf zu schauen, dass wir die Regularien, das was wir öffentlich vorschreiben, an Paragraphen, an Verordnungen und so weiter, reduzieren, überall wo es geht, damit wir auch schneller werden.“

Der brisante Nahost-Konflikt mag geografisch vielleicht weit entfernt sein – doch die Oberösterreicher spüren die Auswirkungen bereits deutlich. Besonders an der Tankstelle: Die Spritpreise sind gestiegen und das schnell. Muss die Politik hier eingreifen? Stelzer sagt klar Ja:

„Ja, man muss eingreifen im Sinne davon, dass man sich das jetzt genau anschaut. Weil natürlich ist klar, wenn so eine Katastrophe, dieser furchtbare Krieg passiert, dass das dann Auswirkungen hat, ist klar. Aber dass so quasi gleich über Nacht einmal alles an der Zapfsäule teurer geworden ist, das verdient sich schon einen genauen Blick. Und Minister Hattmannsdorfer hat es angekündigt, ich fordere auch ein, dass das konsequent gemacht wird, auch mit der Wettbewerbsbehörde, wirklich darauf zu schauen, dass wirklich das, was der Markt ist, das bildet sich ab, aber dass nicht einfach da vorschnell irgendwie Teuerungen eintreten.“

Wenn ein Konflikt plötzlich Auswirkungen auf Oberösterreich hat, muss das Land reagieren – unter anderem wurde der Energielenkungsbeirat einberufen. Aber wie schätzt der Landeshauptmann die weitere Entwicklung ein – besonders die heimische Industrie etwa blickt besorgt auf die Lage. Stelzer:

„Immer wenn es Unruhe auf der Welt gibt, ist das für den internationalen Handel und wir sind ein Exportland natürlich eine Herausforderung. Wir sehen sie jetzt schon alleine mit den Öltransportrouten auf den Weltmeeren. Aber ich glaube, Industrie und Unternehmen sind darauf eingestellt, dass es immer wieder Änderungen gibt. Der springende Punkt, um es noch einmal zu sagen, ist: Wie lange dauert das? Und hoffentlich nicht zu lange.“

Zuletzt gab es vorsichtige Hoffnung: Die Arbeitslosenzahlen in Oberösterreich etwa zeigten eine positive Tendenz. Durch diesen Konflikt im Nahen Osten droht möglicherweise ein Rückschlag, weil es wieder Firmen treffen könnte. Da ist konkrete Unterstützung gefragt: Welche Maßnahmen setzt das Land gerade um, um den Betrieben in Oberösterreich zu helfen und den Standort abzusichern?

„Also das eine ist, wir investieren als öffentliche Hand heuer sehr, sehr viel als Land, auch gemeinsam mit Gemeinden und Städten. Wir haben uns ein Investprogramm von 800 Millionen Euro alleine aus dem Landeshaushalt vorgenommen. Das läuft jetzt schon seit Beginn des Jahres. Natürlich, damit wir die Schulen ausbauen, dass wir Kindergartenplätze neu schaffen, dass die Spitäler erneuert werden, dass die Straßen entsprechend saniert werden. Das braucht man alles inhaltlich, aber der wesentliche Effekt ist, dass wir heuer eben auch mehr Aufträge an die Unternehmen der Regionen geben können, damit die auch wieder ihre Leute und Mitarbeiter halten können. Und dann kommen noch die Investitionen der Landesunternehmen, zum Beispiel die großen Investitionen der Energie AG dazu. Also das soll dazu beitragen, regional den Wirtschaftsmotor wirklich zu unterstützen und auf Schwung zu bringen. Das zweite ist unsere Initiative, unsere Strategie zur künstlichen Intelligenz. Wir haben schon vor einigen Jahren begonnen, da massiv zu investieren, gemeinsam mit der Kepler-Uni, mit der Fachhochschule. Jetzt ist die neue Uni, die IT:U, dabei. Da gibt es erstaunlich viele Forschungsergebnisse, Expertise. Es gibt auch viele junge Leute, die da studieren. Und das wollen wir jetzt nützen, damit in den Bereichen, wo wir stark sind, industrielle Produktion, Robotik, Medizintechnik, dass wir dort das mit der KI so zusammenbringen, dass wir besser werden als andere Standorte. Und das dritte, das habe ich vorhin schon genannt, das ist wichtig und eine Daueraufgabe: Schneller werden in den öffentlichen Abläufen, schneller zu Genehmigungen kommen, also zu durchleuchten, was braucht man immer an Paragraphen, was braucht man immer an Vorschriften. Das gehört dazu und das sind die drei großen Maßnahmen, die wir aus eigener Kraft im Land auch setzen können.“

Seit letzter Woche herrscht Gewissheit im Almtal: Es wird auf dem Kasberg weitergehen. Das Skigebiet soll in die oberösterreichische Seilbahnholding eingegliedert werden. Unmittelbar nach dieser Ankündigung sind Gespräche zwischen der Holding und den Verantwortlichen am Kasberg gestartet worden, bestätigt Stelzer:

„Unsere Manager der Seilbahnholding haben gleich letzte Woche begonnen, mit denen, die jetzt das Kasberg-Skigebiet betrieben haben, zu sprechen, damit das übernommen werden kann. Hintergrund ist, Österreich, Oberösterreich hat einen sehr lebendigen Wintertourismus, Gott sei Dank, den brauchen wir auch. Der Wintertourismus lebt vom Skifahren. Und wenn wir den Kindern, den jungen Leuten das Skifahren nicht mehr vermitteln, also zum Beispiel, wenn es keine Schul-Skikurse mehr gäbe oder wenn wir eben keine Skigebiete haben, wo Familien sagen, da fange ich an mit den Kindern, dann wird es auch keine Grundlage für den Wintertourismus mehr geben. Das ist eigentlich das Hauptargument und daher haben wir uns entschieden, den Kasberg, wenn es geht, zu übernehmen, damit wir genau für Familien, für Kinder, aber auch für die vielen Skiclubs und Vereine, die es gibt, ein Angebot in der Nähe legen, um den Einstieg ins Skifahren und damit die Grundlage für den Wintertourismus zu liefern. Klar ist, und das muss man auch ganz offen sagen, das wird nicht ein Skigebiet werden können, wo wir verdienen damit, sondern wo draufgelegt wird, weil auch viel investiert werden muss. Aber das ist eben eine Investition nicht nur in die Region, für die das wichtig ist im Almtal, sondern auch eine Investition in den Erhalt des Wintertourismus bei uns im Land.“

Schon in einem Jahr wird in Oberösterreich gewählt. Wirft die Landtagswahl 2027 bereits ihre Schatten voraus und bringen sich schon einige in Stellung? Landeshauptmann Thomas Stelzer:

„Ob das bewusst ist oder nicht, weiß ich nicht. Natürlich wird darüber geschrieben oder ist zu lesen. Ich kann nur sagen, wir haben jetzt gerade in unserem Gespräch über so viele Themen und Herausforderungen gesprochen, wo ich auch als Regierungschef und Landeshauptmann so gefordert bin. Ich glaube, die Leute haben null Verständnis, dass man jetzt irgendwelche politischen Spieletteln beginnt. Ganz besonders von mir wird, glaube ich, erwartet und das möchte ich auch zu 100 Prozent erfüllen, dass jetzt agiert wird, dass die Dinge angegangen werden, dass sich die Leute auch verlassen können, dass wir entscheiden für das Land, dass wir uns auch gut weiterentwickeln. Und nach dem, glaube ich, wird dann auch das Urteil der Wählerinnen und Wähler ausfallen. Aber wie gesagt, bis dahin ist es noch weit über ein Jahr und die Themen und die Aufgaben, die wir jetzt haben, sind groß genug.“

Bei derartig großen Herausforderungen – bleibt da Zeit für Ausgleich? Hat auch ein Landeshauptmann Freizeit und wo holt sich Thomas Stelzer Energie?

„Ja, die gibt es und die muss man sich auch nehmen, weil man kommt seltsamerweise drauf, selbst wenn man sich einmal ein oder zwei Tage herausnimmt, die Welt dreht sich trotzdem weiter. Also daher, ja, das ist möglich und soll auch sein und nicht im Übermaß, aber das nehme ich mir auch und das ist auch schön, wenn man mit der Familie Zeit hat oder wenn man sich einfach einmal mit Dingen beschäftigt hat, beim Lesen oder beim Sporteln. Und zum Zweiten ist, glaube ich, zu dieser Frage zu sagen, natürlich gibt es viele Themen und wie jeder würde ich mir auch wünschen, es geht alles unproblematisch dahin, aber ich glaube, da ist man in der Politik dann an der falschen Adresse, weil es hat immer Überraschungen gegeben, immer gibt es Herausforderungen, momentan sind sie halt sehr groß, weil sie auch zum Teil die ganze Welt umspannen, aber genau das ist ja die Aufgabe der Politik, immer zeitgerecht zu schauen, bei all den Änderungen, die rund um uns sind, hier bei uns die richtigen Schritte zu setzen, dass man aus dem dann auch wieder etwas macht.“

Landeshauptmann Thomas Stelzer im Gespräch mit Life Radio Nachrichtenchefin Barbara Schütz