Bilder: Life Radio
Ihre Polizeikarriere hat sie in Oberösterreich beim Stadtpolizeikommando Linz gestartet. Seit gut drei Wochen ist Sylvia Mayer die erste Frau an der Spitze des Staatsschutzes – sie leitet die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst. Wir haben sie in Wien zum Interview getroffen und mit ihr über Anschlagspläne, Gefährder, Maßnahmen dagegen, ihre tägliche Arbeit und Fußball gesprochen.
Hier das gesamte Interview zum Nachhören:
Hat Sie die Polizeikarriere in OÖ geprägt?
„Ja, sie hat mich sehr geprägt. Ich bin ja gleich nach der Matura dann auch in den Polizeidienst eingetreten, habe die Polizeischule in Linz absolviert und der Außendienst, die Kameradschaft, auch mit den Kolleginnen und Kollegen, einfach der Einsatz für die Menschen, hat meine Persönlichkeit tatsächlich sehr geprägt.“
Von Linz ist Mayer zum Innenministerium gewechselt und dann zum damaligen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Dort war sie unter anderem für Extremismusbekämpfung und später für den Schutz kritischer Infrastruktur und Cybersicherheit zuständig.
Was ist die größte Gefahr für Österreich?
„Die größte Gefahr geht weiterhin vom islamistischen Extremismus und Terrorismus aus, gefolgt vom Rechtsextremismus und Terrorismus, aber auch der Linksextremismus darf nicht vernachlässigt werden, wie auch der Anschlag auf die Berliner Stromversorgung gezeigt hat.“
Die Gefährdungslage ist erhöht – was heißt das?
„Wir stufen die Gefährdungslage ja immer angepasst an internationale Entwicklungen, an Beobachtungen, die wir in Österreich auch sehen, ein. Aktuell liegen wir bei einer Gefährdungslage, einer erhöhten Gefährdung, Stufe 4 von 5.“
Was sind die Gründe dafür?
„Der Hauptgrund dafür ist die Online-Radikalisierung. Das heißt, wir sehen, dass immer mehr IS-Propaganda, islamistische Inhalte online verbreitet werden. Und indem sich gerade junge Menschen online im digitalen Raum aufhalten, ist es der Grund dafür, dass zunehmend junge Menschen sich radikalisieren.“
Dieser Trend, dass Gefährder immer jünger werden, kann man seit einigen Jahren beobachten, so Mayer. 2020 lag das Durchschnittsalter der Tatverdächtigen noch bei 31 Jahren – im letzten Jahr bei 23 Jahren. Und die meisten ausgeforschten islamistischen Extremisten waren im Vorjahr gerade einmal 17 Jahre alt. Das sei besorgniserregend, sagt Mayer.
Was soll man da tun?
„Ein Bündel an Maßnahmen. Ich glaube die wichtigste Maßnahme ist die Extremismusprävention und Deradikalisierung. Auf allen Ebenen, interministeriell, mit allen Institutionen und ganz wichtig als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“
Einfacher wird die Arbeit als Leiterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst auf keinen Fall, auch weltpolitische Entwicklungen fordern die Staatsschützer:
„Ja natürlich, internationale Konflikte, geopolitische Entwicklungen wirken sich immer sehr stark auf unsere Aufgaben aus. Sei es im Extremismus, aber sei es auch beim Schutz der Republik Österreich, beim Schutz der Demokratie vor staatlichen Einflussnahmen, vor staatlicher Spionage, Cyberangriffen oder Sabotage.“

Wie kann man sich denn einen Arbeitstag als Chefin des Staatsschutzes vorstellen?
„Ja, wahrscheinlich langweiliger als man glaubt. Also hauptsächlich natürlich Besprechungen intern, extern, Briefings von Bedarfsträgern zu aktuellen Gefährdungslagen. Aber ganz wichtig auch Entscheidungen zu treffen. Die fallen täglich an. Es geht um Gefährder, Gefährdungslagen, wo wir Maßnahmen treffen müssen. Und diese Entscheidungen sind auch einer meiner Schwerpunkte in der täglichen Arbeit.“
Welche Eigenschaft als Oberösterreicherin oder auch als Fußballspielerin (Sylvia Mayer war in der Fußball U19-Nationalmannschaft) kommt Ihnen jetzt in Wien zugute?
„Ja, ich glaube, dass ich eine Teamplayerin bin. Das zeichnet ja den Mannschaftssport aus und das habe ich mir immer beibehalten. Und als Oberösterreicherin wahrscheinlich meine Offenheit.“
Wenn man in der täglichen Arbeit von Bedrohungslagen und Gefährdern umgeben ist, wo kann man abschalten?
„Ja, ich glaube, dass es in ganz vielen unterschiedlichen Berufen Herausforderungen gibt. Ich denke jetzt zum Beispiel an Pflegeberufe, an LehrerInnen und viele andere. Also auch dort ist man tagtäglich konfrontiert mit Konflikten, mit Entscheidungen. Und ich glaube, da ist es kein Unterschied zu diesen Berufen. Das heißt, man versucht am Abend, am Wochenende auch mal abzuschalten, wenngleich natürlich der Job einen immer begleitet.“
Sylvia Mayer war auch im U19-Frauen-Fußball-Nationalteam. Ihr Tipp zur Weltmeisterschaft heuer: Spanien wird sich den Titel holen.
Das Interview wurde in der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst in Wien geführt.
