Lange OP-Wartezeiten, neue Frauenhäuser -LR Haberlander im IV

Haberlander

Bilder: Life Radio

Bildungsstandards an unseren Schulen, Maßnahmen in den Spitälern, um die Kommunikation zu verbessern und die langen Wartezeiten auf Operationen zu verkürzen, neue Frauenhäuser in Oberösterreich: Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) hat als Bildungs-, Gesundheits- und Frauenlandesrätin viel auf dem Tisch. Im Life Radio-Interview spricht sie über die drängendsten Herausforderungen in Oberösterreich. Die Ziele sind klar gesteckt, so Haberlander:

„Aus meiner Sicht sind das je nach Themenbereich unterschiedliche Ziele, wobei alles gemeinsam natürlich ist, dass es den Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern gut gehen soll. Im Bereich der Gesundheit ist mir wichtig, dass wir in unsere Krankenhäuser investieren, dass wir schauen, dass die Rahmenbedingungen gut sind, dass die entsprechenden Geräte, die auch zugesagt worden sind, aufgestellt werden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rahmenbedingungen haben, dass sie sich gut um die Patientinnen und Patienten kümmern können. Im Bildungsbereich geht es von der Elementarpädagogik an, wo wir sagen, wir wollen unseren Weg, Kinderland zu werden, weiter und schneller voranschreiten, aber auch, dass wir in unseren Schulen moderne Pädagogik anbieten können. Und im Bereich der Frauen geht es zum einen darum, dass wir aufmerksam machen und informieren, dass Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit bewahren sollen und sich auch erkämpfen sollen und gleichzeitig natürlich auch, dass wir die Schutzunterkünfte ausbauen. Das heißt, dass Frauen, die Gewalt erlebt haben, einen sicheren Hafen haben.“

Erst letzte Woche haben Oberösterreichs Volksschulen die Ergebnisse der Kompetenzmessungen plus (iKM plus) bekommen. Die Schüler wurden in Deutsch und Mathematik gemessen. In Oberösterreich hat da Leonding am besten abgeschnitten, Wels und Traun hingegen liegen unter dem Durchschnitt. Genau darauf wird reagiert, sagt Haberlander:

„Zum Ersten ist es wichtig, dass es diese Testungen gibt und dass die Ergebnisse auch transparent veröffentlicht werden, dass da nichts im Geheimen abläuft, sondern dass man darüber Bescheid weiß, damit man eben auch entsprechend reagieren kann. Das Bildungsministerium hat eben nun auch den Chancenbonus veröffentlicht, wo ganz gezielt Schulen in Oberösterreich mit zusätzlichen Personalressourcen unterstützt und begleitet werden. Insbesondere auch in diesen Regionen, Wels und Linz, bekommen hier viel Unterstützung und da bin ich dem Herrn Bildungsminister auch dankbar dafür.“

Insgesamt 59 so genannter Brennpunktschulen in Oberösterreich können ab Herbst um zusätzliches Personal ansuchen (Pädagogen, Psychologen oder Sozialarbeiter), um die Kinder besser fördern und begleiten zu können. Denn Lernen an sich hat sich in den letzten Jahren verändert, bestätigt uns die Bildungslandesrätin:

„Ich würde sagen, auf der einen Seite gibt es eine Veränderung und auf der anderen Seite nicht. Und ich bleibe mal beim Nicht. Kinder sind unglaublich neugierig. Und das waren sie schon vor 100 Jahren, vor 50 Jahren und das sind sie jetzt genauso. Die wollen ja lernen. Und gleichzeitig, die Pädagoginnen und Pädagogen, die wollen ja lehren. Die wollen mit den Schülerinnen und Schülern bestmöglich auch arbeiten. Verändert hat sich der Zugang zu den Methoden. Wir sehen das an den Räumlichkeiten, dass man mittlerweile nicht mehr ganz starr am Sessel sitzen muss, sondern dass man auch am Boden liegen kann und dass dort auch Unterricht stattfinden kann. Bis hin dazu, dass natürlich KI und Digitalisierung viel größere Rollen auch einnehmen. Dass Schule sich aber auch mittlerweile um andere Themen kümmern muss: Kritische Reflexion zum Medienkonsum, das Thema tägliche Bewegungseinheit und gesunde Ernährung. Das sind Themen, die vielleicht vor Jahrzehnten noch gar keinen Platz in der Schule beansprucht haben.“

Stichwort: Social media Verbot: selbst Kinder berichten, dass sie es als positiv empfinden, wenn das Handy eine Zeit lang weg ist, warum dauert die Einführung noch mehrere Monate? Haberlander:

„Ich bin froh darüber, dass es jetzt auch klare Aussagen auf Ebene der Bundesregierung zu diesem Thema gibt. Ich selbst trete für ein strenges Verbot auch ein. Aber natürlich ein kluges, anwendbares Gesetz, das muss auch gemacht werden. Das heißt, da muss man auch überlegen, wie schauen dann die einzelnen Paragraphen aus, dass das auch umgesetzt werden kann, dass es nicht ein bloßes Instrument am Papier ist, aber jeder eine Umgehung relativ rasch auch findet. Deswegen verstehe ich auch, dass gut Ding Weile braucht und eben ein Gesetz entsprechend auch ausgearbeitet werden muss. Wir haben letztes Jahr in unseren Schulen ja ein Handyverbot eingeführt. Aber nichtsdestotrotz geht es auch darum, dass Eltern mit dem Thema verantwortungsvoll umgehen, dass Eltern auch ein Vorbild sind, was die Handynutzung insbesondere im privaten Bereich auch betrifft. Aber auch, dass in der Schule ein kritischer Umgang mit dem Thema auch gelehrt wird. Und da heißt es nicht, dass alles verbannt werden muss, sondern, dass man das Thema trotzdem auch in den Unterricht herein holt, darüber spricht, über Sorgen, aber auch Möglichkeiten kommuniziert.“

Eine fälschlicherweise entfernte Gebärmutter, zwei Patientinnen, die verwechselt worden sind: das Kepler Uniklinikum sorgt für Schlagzeilen – wie kann das Vertrauen in das Spital wieder hergestellt werden? Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander hat dazu ganz klare Vorgaben:

„Zum einen ist mir wichtig zu betonen, dass wir ein gutes Gesundheitssystem in Oberösterreich haben, in ganz Österreich auch haben. Natürlich gibt es dann immer wieder tragische Fälle, die uns erschüttern, die uns auch nachdenklich machen und die natürlich auch eine Veränderung anregen. Und ich bin auch davon überzeugt, dass man von jedem solchen Fall etwas lernt und besser wird, weil natürlich hier auch die entsprechenden Lehren gezogen werden. Ganz wichtig ist, dass man das Vertrauen hat und das möchte ich auch ganz klar sagen, wenn Sie ein gesundheitliches Problem haben, bitte gehen Sie in eines unserer oberösterreichischen Krankenhäuser. Sie sind dort gut aufgehoben. Nichtsdestotrotz haben wir mit dem Kepler Universitätsklinikum auf vielen Ebenen darüber gesprochen, dass die Kommunikation verbessert werden muss, die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten, gerade dann, wenn es Beschwerdefälle auch gibt, dass sich jene, die sich beschweren, wirklich auch ernst genommen werden, dass sie angerufen werden, dass man mit ihnen auch in Kontakt tritt. Dann gibt es entsprechende strukturelle Veränderungen, an denen gearbeitet wird, wie zum Beispiel die Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten, wenn es einen Notfall gibt, bis hin zu dem, dass für mich nach der Entscheidung von Dr. Harnoncourt (früherer Vorsitzender der Geschäftsführung der Oberösterreichischen Gesundheitsholding und Geschäftsführer des Kepler Universitätsklinikums), dass er seine Funktionen zurücklegt, ganz klar ist, dass diese Positionen, Geschäftsführung oberösterreichischer Gesundheitsholding und Geschäftsführung des Kepler Universitätsklinikums, nicht mehr geeint wahrgenommen werden, sondern dass das zwei unterschiedliche Funktionen sind.“

Maßnahmen wird es auch brauchen, um die Wartezeiten auf Operationen wieder zu verkürzen. Derzeit müssen Oberösterreicher Monate auf eine neue Hüfte etwa oder ein neues Knie warten, weil einerseits der Bedarf gestiegen ist und andererseits Anästhesisten und OP-Pflegekräfte fehlen. Darum müssen Spitäler jetzt zusammenarbeiten, sagt Haberlander:

„Wir versuchen aus der Not eine Tugend zu machen und haben unsere Krankenhäuser angehalten, klar aufgefordert, mehr und besser miteinander zu kooperieren, die Synergienpotenziale zu nutzen. Wir haben erst vor zwei Wochen eine Vereinbarung mit der AUVA abgeschlossen, dass am UKH auch operiert wird, dass Patientinnen und Patienten auch dorthin gehen können. Gleichzeitig haben auch die Ordenskliniken ihre Unterstützung angeboten und stellen uns Anästhesisten zur Verfügung. Und wir haben auch bessere Kooperationen mit Rohrbach oder mit Schärding, wo man genau weiß, wenn Patientinnen und Patienten vielleicht eigentlich am Kepler Universitätsklinikum angemeldet werden für die OP, aber aus dem Umfeld kommen, rund um Schärding oder eben rund um Rohrbach, dass sie dort auch operiert werden können. Das heißt, da fahren dann Ärztinnen und Ärzte vom KUK nach Rohrbach oder nach Schärding und operieren auch dort. Da können wir auch entsprechend beitragen, um die Wartezeiten zu reduzieren.“

Stichwort Frauenhäuser: derzeit hat Oberösterreich sechs Frauenhäuser mit 127 Plätzen, im inneren Salzkammergut kommt heuer eines dazu, im unteren Mühlviertel nächstes Jahr. Damit scheint vorerst der Bedarf gedeckt, sagt Haberlander:

„Damit ist ein erster Schritt getan. Die Vorgabe, die ich kundgetan habe, war, in jedem Bezirk muss es entweder ein Frauenhaus oder eine Übergangswohnung geben. Und wenn wir dann das innere Salzkammergut und das untere Mühlviertel eröffnet haben, dann ist das auch der Fall. Mir ist wichtig, dass es eben in jedem Bezirk eine Anlaufstelle gibt.“

Der Bedarf ist jedenfalls in den letzten Jahren in Oberösterreich gestiegen, bestätigt uns die Frauenlandesrätin:

„Wir sehen, dass der Bedarf gestiegen ist. Das kann man auch ganz klar in den Zahlen ablesen. Mir wird gesagt, auch immer wieder bei Rücksprache mit der Polizei, dass die Frauen sich jetzt trauen, Anzeige zu erstatten, dass die Frauen sich jetzt trauen, ihren gewalttätigen Partner zu verlassen. Da bricht etwas auf und da bin ich froh darüber. Da trägt auch sicherlich das Darüberreden bei, das Ermutigen von Frauen. Natürlich auch, dass es in der Nähe Anlaufstellen gibt, aber immer mehr Frauen trauen sich und das ist wesentlich und wichtig.“

Hilfe für betroffene Frauen gibt es schnell:

„Jedes Frauenhaus in Oberösterreich ist rund um die Uhr auch erreichbar. Es gibt Vereine und Organisationen, zum Beispiel der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, die genau auch hierfür Ansprechpartner sind. Wichtig ist, anrufen, Kontakt aufnehmen und Sie werden gut begleitet.“

Im nächsten Jahr sind Landtagswahlen in Oberösterreich. Der eine oder andere bringt sich da schon in Stellung – nimmt man das so wahr?

„Ich bin davon überzeugt, es gibt genug für jeden zu tun und ich arbeite an dem, was das Programm ist, welche Vorhaben wir haben, welche Baustellen wir auch haben und konzentriere mich besser darauf.“ Welches eine konkrete Vorhaben möchten Sie unbedingt bis nächstes Jahr realisiert haben? „Dann bleiben wir bei den Frauenhäusern. Das ist die Eröffnung der zwei Einrichtungen. Ich bin davon überzeugt, dass das die Frauen auch dringend brauchen.“

Landesrätin Christine Haberlander im Gespräch mit Life Radio Nachrichtenchefin Barbara Schütz