Bilder: Life Radio
Die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich sinkt, große Betriebe stocken ihre Mitarbeiter wieder auf – ein Hoffnungsschimmer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aber Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) sieht diese zarte Erholung gefährdet. Der Krieg im Nahen Osten könnte große Auswirkungen auf Oberösterreichs Betriebe haben. Vor allem die steigenden Energiepreise könnten den Konjunkturaufschwung wieder einbremsen. Im Life Radio-Interview spricht Achleitner über die größten Herausforderungen für den Standort Oberösterreich und sagt, welche Branchen jetzt richtig anziehen.
Die drei größten Ziele für heuer sind klar abgesteckt. Landesrat Markus Achleitner:
„Ja, es soll gelingen, dass Oberösterreich wieder einen Konjunkturaufschwung erhält, dass es hoffentlich diesen angekündigten Aufschwung gibt. Wir haben die ersten Vorzeichen, Gott sei Dank, dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt. Wir sind das einzige Bundesland in Österreich, das jetzt drei Monate in Folge schon sinkende Arbeitslosigkeit hat, Gott sei Dank. Und dass wir die Transformation auf den verschiedenen Ebenen von der Energie bis zur digitalen Transformation mit Highspeed vorantreiben.“
Als größte Herausforderung nennt Achleitner derzeit die weltweite Unsicherheit mit dem Konflikt im Nahen Osten:
„Die größte Herausforderung ist sicher die Unsicherheit, die wir jetzt durch den Nahostkrieg bekommen haben. Wir hoffen alle miteinander, gerade vor dem menschlichen Leid, vor diesem Hintergrund, dass es besser morgen, denn später ein Ende des Krieges gibt und Diplomatie wieder übernimmt. Wenn es tatsächlich nur wenige Wochen sind, wird es verkraftbar sein. Wenn es ein paar Monate sind, werden wir es schon in der Inflation spüren. Wenn es länger als ein halbes Jahr dauert, dann wird es wirklich tricky weltweit. Wir hoffen, dass es sehr bald endet und dass die Energiepreise wieder auf ein normales Niveau kommen. Damit dieser Aufschwung, der sich jetzt ankündigt, auch Wirklichkeit wird.“
Dieser Konflikt ist in Oberösterreich bereits spürbar – die internationale Lage hat Folgen für das Bundesland, sagt Landesrat Markus Achleitner:
„Derzeit vor allem durch Unsicherheit. Wir spüren es alle an der Tankstelle, weil das tagesaktuell mit den Börsenpreisen gekoppelt ist. Bei den Energiepreisen selber ist es für das laufende Jahr für die allermeisten noch kein Thema, weil viele haben abgesichert, ein Teil zumindest. Und es hängt alles von der Dauer dieses Konflikts ab. Wichtig, glaube ich, zu sagen ist auch, dass die Versorgungssicherheit Stand heute gegeben ist. Für Österreich kann man das auf jeden Fall sagen. Die Gasspeicher sind zu 36 Prozent gefüllt. Das heißt, wir haben da circa einen halben Jahresverbrauch an Gas gespeichert. Bei Öl sind es drei Monatsverbräuche, die gespeichert sind. Und Strom erzeugen wir Gott sei Dank schon mit über 90 Prozent selber. Das heißt, die Versorgungssicherheit Stand heute ist für das laufende Jahr gegeben. Das Preisrisiko ist aber voll da und daher je kürzer, desto weniger Auswirkung.“
Wenn sich der Konflikt hinzieht, wird das auch Oberösterreich stärker treffen. In diesem Fall brauche es dann Maßnahmen des Bundes, fordert Achleitner:
„Wir sind mit der Bundesregierung da eng abgestimmt. Es sind ja Learnings aus den letzten Krisen da. Das heißt, es gibt Mechanismen, dass man dann eingreifen muss und das müsste man tun. Wir dürfen sicher den Fehler nicht wiederholen, dass wir die Energiepreise durch die Decke gehen lassen, in der Folge dann die Inflation explodiert und in der Folge dann die Lohn- und Gehaltsabschlüsse exorbitant hoch sind. Das war das Problem der letzten großen Krise, an der wir heute noch leiden, weil wir Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Das heißt, sollte es tatsächlich eine längerfristige Krise sein, muss staatlich eingegriffen werden.“
Die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich ist zuletzt gesunken, mehr Betriebe bauen wieder aus und stocken Mitarbeiter auf. Oberösterreich hofft da also auf einen leichten Aufschwung. Könnte dieser Konflikt genau das aber schon wieder zunichte machen? Achleitner:
„Ja, wir hoffen es nicht. Wir hoffen, dass diese Frühindikatoren, die wir eben bei der Arbeitslosigkeit gesehen haben, dass sie sinkt, dass das weitergeht. Wir haben es vor allem gesehen bei den Arbeitskräfteüberlassern. Das ist so ein Frühindikator, wo wirklich massiv die Arbeitslosigkeit zurückging, weil in der Industrie eben wieder Aufträge da sind. Wir sehen es auch bei den Betriebsansiedlungen. Wir haben große Ansiedlungen jetzt in Oberösterreich wieder, Gott sei Dank, geschafft. Wir haben viele Investitionen jetzt wieder am Standort und das beflügelt natürlich den Bau und die gesamte Konjunktur. Und wir hoffen, dass dieses zarte Konjunkturpflänzchen nicht jetzt durch den Nahen Osten wieder letztlich zum Erliegen kommt.“
Trotz aller Unsicherheiten gerade sieht Achleitner Bereiche, in denen Oberösterreich weiter zulegen könnte. Wir haben Unternehmen mit großen Wachstumschancen, so Achleitner:
„Wachstumsbranchen gibt es eine ganze Menge. Ich meine, im produzierenden Bereich natürlich alles, was der gesamte Energiebereich ist, die Transformationsbereiche sind es. Wir sehen es auch natürlich bei Automobilzulieferbetrieben. Wenn die die neuen Technologien mitmachen, dann sind sie mit dabei. Ein ganz großes Thema ist der gesamte Sicherheitsbereich, weil es geht ja da nicht nur um die militärische Sicherheit, es geht auch um digitale Sicherheit, um Energiesicherheit, Versorgungssicherheit. Und in all den Bereichen haben wir tolle Unternehmen in ganz Oberösterreich, die wir an diese Märkte heranführen wollen.“
Knapp über 45.800 Menschen sind in Oberösterreich gerade auf Jobsuche – ihnen rät Achleitner, sich in genau solchen Branchen umzusehen und sich zu bewerben:
„Ich glaube, ganz wichtig ist, dass man schaut, wo sind die Branchen, die dringend suchen. Wir haben nach wie vor, ich glaube, 17.000 offene Stellen in Oberösterreich und dass man bereit ist, eben auch Qualifikationsschulungen zu machen, dass man in diese Bereiche sich hineinqualifizieren lässt, wo die Leute dringend gebraucht werden. Da gibt es eine ganze Menge. Und es ist schon erstaunlich, dass wir als Industrie- und Wirtschaftsbundesland Nummer eins dieser Republik das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit sind, gemessen an den Industriebundesländern. Das zeigt schon, dass erstens die Betriebe auf ihre Leute schauen, zweitens es viele Bereiche gibt, wo es wieder anzieht und drittens, dass wir, wenn man jetzt strategisch auf die nächsten Jahre schaut, zu tun haben, dass wir genügend ausreichend qualifizierte Menschen haben für die viele Arbeit, die in Oberösterreich da ist.“
Oberösterreich hat sich klar als Ziel gesteckt, unabhängiger von Öl und Gas zu werden. Gerade in Zeiten wie diesen, will man das noch stärker vorantreiben. Wie aber kann das gelingen, die Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Landesrat Achleitner:
„Indem wir das tun, was wir in den letzten Jahren wirklich mit Vollpower tun, nämlich dass wir alle erneuerbaren Energieträger ausbauen nach Kräften. Ich sag da wirklich alle. Beispiel: die Wasserkraft. Wir errichten gerade über die Energie AG am Traunfall beispielsweise ein bestehendes Kraftwerk ersetzen wir durch ein vollständig neues und dieselbe Traun liefert dann 80Prozent mehr Strom als jetzt. Es werden da 190 Millionen Euro investiert. Das ist so ein Punkt. Der zweite: Wir bauen die OÖ-Batterie in Ebensee, das Pumpspeicherkraftwerk, 450 Millionen Euro. Warum? Weil Wind und Sonne nicht verlässlich gehen, sondern unterschiedlich und da muss man die Überschussenergie quasi speichern und das geht eben beim Speicherkraftwerk, in dem man mit diesem Strom quasi das Wasser des Traunsees hinaufpumpen und dann wenn wir Strom brauchen, lassen wirs wieder herunter und können Strom erzeugen für 170.000 Haushalte.“
Auch in anderen Energiebereichen wird gerade vieles vorangetrieben, so Achleitner:
„Wir investieren in Solaranlagen, nämlich unsere Landsleute und die Unternehmen, die Firmen. Wir haben im Vorjahr 365 Tage / 24 Stunden gerechnet, alle 32 Minuten eine PV-Anlage ans Netz bekommen – also unglaublich. Es gibt viele Projekte bei der Windkraft in den Beschleunigungszonen, die wir jetzt gerade in Umsetzung haben. Das heißt dieser Mix an erneuerbaren führt dazu, dass wir mittlerweile schon bei 91 Prozent erneuerbaren Anteil an Strombedarf in Oberösterreich hier in Oberösterreich erzeugen und das müssen wir weiter tun. Aber das Schlüsselelement für Oberösterreich wird die Industrie sein, die industrielle Wärme. Und das geht eben dann nur jetzt noch mit Erdgas, das werden wir noch länger brauchen, und wir investieren stark in die Forschung von Wasserstoff. Das ist ein strategisches Thema für den Standort Oberösterreich, Österreich und ganz Europa. Das wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen, aber das ist ein Weg, auf den wir uns verständigt haben, aber das ist noch ein steiniger, weil man muss bei dieser Transformation immer auch bedenken, wenn die restliche Welt nicht mitmacht und deutlich billiger produzieren kann, dann verlieren unsere Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit.“
Oberösterreich steht vor großen Aufgaben und Herausforderungen, an die Landtagswahl im nächsten Jahr denkt Landesrat Markus Achleitner noch nicht:
„Ehrlicherweise, die Wahl interessiert mich jetzt überhaupt nicht. Wir haben so viele Aufgaben derzeit und dass wir Oberösterreich wieder in die Höhe bringen, dass wir verlässlich für unsere Landsleute arbeiten, wählen tun wir im September oder Oktober nächstes Jahr. Da wird es drei Monate vorher heißen, okay, schaut her, wer sind die, die nur reden, wer sind die, die umsetzen, aber jetzt heißt es noch ein volles Jahr, also anderthalb Jahre eigentlich noch Vollgas für Oberösterreich, so wie in den letzten Jahren.“

