Ein Mahl ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist eine Form des Zusammenkommens und des Teilens. Beim gemeinsamen Essen entstehen Begegnungen und Austausch. Im Mai, wenn viele Kinder ihre Erstkommunion feiern, erhält das Mahl eine spezifische religiöse Bedeutung. In der Kommunion wird das Teilen zu einem Zeichen von Zugehörigkeit, Empfang und Weitergabe. Das Mahl steht dabei für Gemeinschaft, die über den einzelnen Anlass hinausreicht. Diese Folge geht der Frage nach, was es heute bedeuten kann, Mahl zu halten – in einer Zeit, in der Essen häufig funktional organisiert und gemeinsames Essen seltener geworden ist.

Valentin Stelzer, Religionslehrer am Bischöflichen Gymnasium Petrinum in Linz, spricht über das Projekt „Essen für die Seele“, das gemeinsames Essen mit Obdachlosen bewusst als Ort der Gastfreundschaft, nicht als Hilfe versteht, und zeigt, wie aus der Begegnung auf Augenhöhe eine Gemeinschaft entsteht. Er reflektiert, wie sich die von Jesus gelebte Mahlgemeinschaft und Eucharistie zueinander verhalten und was wir verlieren, wenn das gemeinsame Mahl immer seltener wird: „Gemeinsam Mahl halten heißt, ich nehme mir Zeit. Zeit für mich selbst, aber vor allem – ich nehme mein Gegenüber bewusst wahr, ich lasse mich auf mein Gegenüber ein. Das ist dann nicht nur einfach ein Akt des Überlebens, dass man Nahrungsmittel zu sich nimmt, sondern ein wirklich urmenschliches Bedürfnis: in Beziehung treten durch Mahl halten.“

Mit dem Philosophen und Gastrosophen Thomas Mohrs werfen wir einen Blick auf den Ursprung und die Bedeutung der Gastrosophie, die Essen auch als ethische Praxis versteht. Wir sprechen über die Rolle jedes und jeder Einzelne:n als Konsument:in, darüber, warum der Satz „Du bist, was du isst“ mehr über Identität als über Ernährung aussagt, weshalb Bildungseinrichtungen in einer Zeit, in der immer seltener gemeinsam gegessen wird, zentrale Orte sind, um die Praxis des gemeinsamen Essens einzuüben und ob bewusstes Mahlhalten selbst schon ein Schritt zu einer gesünderen und verantwortungsvolleren Ernährung sein kann: „Wenn es uns gelingt, wieder das gemeinsame Mahl in einem positiven Sinn zu etablieren – Immanuel Kant hatte jeden Mittag seine Mittagsgesellschaft, also eine Mahlgemeinschaft, durchaus auch fröhlich und witzig – ja, ich glaube, dass es eine Veränderung der Wertigkeiten bewirken könnte.“
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Fotocredits: Privat, privat und Unsplash / Aurela Redenica
