Bilder: Life Radio
Oberösterreichs Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) kennt das Problem: Konsumenten fordern höhere Standards bei Lebensmitteln, greifen dann aber doch zum Billigprodukt aus dem Ausland. Im Life Radio-Interview spricht sie über die Herausforderungen für die heimische Landwirtschaft – vom Klimawandel über das Mercosur-Abkommen bis zur angespannten Finanzlage in fast jeder dritten oberösterreichischen Gemeinde. Ihre wichtigste Botschaft: Regionale Produkte sichern Arbeitsplätze und Lebensqualität direkt vor der Haustür.
Was sind die drei wichtigsten Ziele für 2026?
„Also für das Jahr 2026 gibt es natürlich sehr, sehr viel zu tun, weil auch sehr viel in Bewegung ist insgesamt. Ganz voran gilt es darum, dass wir natürlich die Gemeinden gut absichern können. Das ist ein wesentliches Standbein auch für die Bevölkerung, um Lebensqualität zu erhalten. Hier geht es auch um die finanzielle Ausgestaltung, letztendlich für die Gemeinden. Es geht aber auch darum, die Bäuerinnen und Bauern, die Landwirtschaft insgesamt zu entlasten, ob es in der Bürokratie ist oder vor allem auch finanziell zu entlasten. Und wir wollen auch im Jahr 2026 noch intensiver das Genussland in den Mittelpunkt rücken, denn das sind unsere regionalen Produkte, die schaffen Wertschöpfung in Oberösterreich. Das kann uns insgesamt sehr gut helfen für eine starke Landwirtschaft, für starke Gemeinden und damit vor allem für starke Regionen in Oberösterreich. Und das sind unsere großen Schwerpunkte für das Jahr 2026.“
Landwirtschaft in OÖ: wie viele Betriebe geben nach wie vor auf im Jahr? Wie will man das verhindern, dass das so weitergeht?
„Also der Strukturwandel ist natürlich bekannt. Wir haben derzeit 29.000 landwirtschaftliche Betriebe in Oberösterreich. Wir sehen aber seit dem Jahr 2010 in etwa, dass sich der Strukturwandel verlangsamt. Das heißt, auch die Maßnahmen, die wir getroffen haben, helfen und sind effektiv offenbar. Das ist vor allem die Unterstützung in unsere Jungunternehmer, dass sie auch die Höfe übernehmen wollen, dass sie auch eine gute Ausbildung haben. Und uns ist es wichtig, dass wir so viele wie möglich an landwirtschaftlichen Betrieben erhalten können in Oberösterreich. Damit können wir auch die flächendeckende Struktur erhalten. Und vor allem geht es am Ende des Tages auch um die Versorgungssicherheit.“
Nachwuchssorgen gibt es in Oberösterreich nicht, so Langer-Weninger. Die landwirtschaftlichen Fachschulen sind voll, es haben wieder mehr junge Menschen Interesse, in die Landwirtschaft einzusteigen.
Viele Bauernhöfe haben mittlerweile gleich einen Hofladen mit bäuerlichen Produkten angeschlossen – diese sind mehr als gefragt:
„Das ist natürlich ein ständiger Prozess und ein ständiges Arbeiten auch am Marketing insgesamt, denn wir haben ganz hochwertige Produkte. Unsere Landwirtschaft in Österreich und damit auch in Oberösterreich produziert unter sehr, sehr hohen Standards, mit einer sehr, sehr hohen Qualität in der Nachhaltigkeit, im Umweltschutz, im Naturschutz, in den kurzen Transportwegen, aber auch in den Tierhaltungsstandards. Und das kann der Konsument, die Konsumentin auch ganz einfach erkennen beim AMA-Gütesiegel zum Beispiel, aber auch in Oberösterreich über das Genussland Oberösterreich. Und wir arbeiten immer daran, auch den Mehrwert zu transportieren, den letztendlich ein heimisches Produkt auch mit hat. Denn genau diese hohen Standards, diese hohe Lebensqualität, die damit auch mitschwingt für uns alle, das bekommt man sonst bei keinem Produkt, das man von irgendwo aus dem Ausland kauft.“
Kürzlich hat es eine Studie gegeben, dass Konsumenten höhere Standards bei den Lebensmittel wollen, auch Bio vom Bauern, dann aber doch zum Billigprodukt greifen – was sagt man denen als Agrarlandesrätin und selbst Landwirtin?
„Das ist natürlich etwas, was uns auch immer wieder enttäuscht, aber leider auch nicht mehr überrascht, weil wir diese Umfragen letztendlich auch kennen, dass wir sehr oft sehen, dass das, was moralisch gefordert wird, dann diese Moral am Supermarktregal auch abgegeben wird. Aber wir wollen natürlich immer wieder auch hier positiv hingehen und positiv Werbung machen für das heimische Produkt, denn es hilft uns nicht, wenn wir hohe Standards fordern, wenn dann die hohen Standards auch in gesetzliche Rahmenbedingungen gegossen werden, damit einfach in Österreich und auch in Oberösterreich eine hohe Qualität produziert wird, wenn es dann am Ende des Tages den Abnehmer nicht findet. Denn das wird dazu führen, dass wir einfach minderwertigere Produkte, die unter minderwertigeren Standards produziert werden, aus dem Ausland zu uns nach Österreich bekommen und damit aber auch den Strukturwandel bei uns im Land anfachen und noch verstärken. Und dann hat man eigentlich die Landwirtschaft vor Ort nicht mehr. Man hat die billigeren und die minderwertigeren Produkte aus dem Ausland.“
Die Landwirte müssen sich auf Veränderung einstellen. Der Klimawandel wird sie in den nächsten Jahren besonders treffen, sagt Agrarlandesrätin Langer-Weninger:
„Der Klimawandel ist natürlich ein Thema, das uns sehr intensiv beschäftigt in der Landwirtschaft, denn niemand sonst hat die Werkstatt unter freiem Himmel, wie wir Bäuerinnen und Bauern. Und Veränderung gehört natürlich dazu und wir merken diese Veränderung auch, indem dass die Unwetter mehr werden, dass Hagelunwetter stärker werden, dass Starkregenereignisse stärker werden, aber auch entsprechende Kalamitäten im Wald, wenn man nur an den Borkenkäfer denkt zum Beispiel. Und das fordert uns sehr intensiv. Das heißt, die Landwirtschaft und damit die Bäuerinnen und Bauern sind natürlich schon in den letzten Jahren sehr intensiv damit beschäftigt, welche Sortenauswahl trifft man für den Acker, aber genauso auch in den Forstpflanzen. Welche Pflanzenarten und welche Baumarten werden zukunftsfit sein, wie man so schön sagt. Da braucht es auch die entsprechende Forschung dazu. Wir unterstützen das natürlich auch insofern, dass wir in Richtung Forschung und auch mit dem Zukunftsfonds insofern nachdenken, wie können wir denn auch bei Smart Farming oder Präzisionslandwirtschaft noch genauer hineingehen, um auch dort diesem großen Druck des Klimawandels entgegenzuwirken und damit aber auch in der Leistbarkeit, in der Umsetzung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb zu unterstützen.“
Stichwort Mercosur-Abkommen: Die Wirtschaft in Oberösterreich ist erfreut und sagt sie kann davon profitieren – bei den Bauern ist das Gegenteil der Fall:
„Ich kann nachvollziehen, dass die Wirtschaft hier in diesem Bereich jubelt. Hier wurde intensiv verhandelt über viele, viele Jahre und Jahrzehnte. Uns in der Landwirtschaft ist es hier anders gegangen, denn diese langen und langjährigen Verhandlungen waren ja immer auch davon geprägt, dass wir aufmerksam darauf gemacht haben, was das auch für die heimische Landwirtschaft bedeuten wird, nämlich im negativen Einfluss. Wir haben in Europa über 40 Handelsabkommen, die sehr intensiv verhandelt worden sind, wo auch die Landwirtschaft überall mitgenommen worden ist. Bei Mercosur ist das in diesem Ausmaß leider nicht passiert. Wir werden jetzt sehr genau hinschauen, gerade bei den Produkten Rindfleisch, beim Geflügel, auch beim Zucker, die ja die maßgeblichen Produkte sind, wo wir auch befürchten, dass es Auswirkungen auf den heimischen Markt haben wird, dass wir hier diese Schutzklauseln, die dann zum Schluss noch hinein verhandelt worden sind und die auch wesentlich und wichtig sind für uns in der Landwirtschaft, dass diese auch genau eingehalten werden, genau kontrolliert werden und dass diese Maßnahmen dann auch wirklich greifen, wenn es zu Verwerfungen am Markt kommt.“
Thema Gemeinden: die oberösterreichischen Gemeinden sind mehr denn je in einer finanziellen Notlage. In vielen Orten ist die Finanzlage brisant und laut Langer-Weninger sind es dutzende, die Unterstützung brauchen:
„Wir sind natürlich derzeit in einer Situation, die nicht nur die Gemeinden in den öffentlichen Haushalten trifft, sondern die alle trifft. Das Land genauso oder die Länder insgesamt, genauso wie auch den Bund, dass die öffentlichen Haushalte angespannt sind. Das kommt auch daher, da die Wirtschaftsleistung in den letzten Monaten nicht dort war, wo wir sie gerne gehabt hätten. Eine hohe Inflation auch spürbar war. Wir hoffen, dass es im Jahr 2026 eine Trendumkehr kommt und sich das verbessern wird. Das wird dann auch die Ertragsanteile letztendlich für die öffentlichen Haushalte, Bund, Länder und Gemeinden verbessern. Aber derzeit ist es eine sehr schwierige Situation. Wir werden ungefähr bei 220 Gemeinden sein in Oberösterreich, die selbstständig den Haushaltsausgleich nicht stemmen werden können und die Unterstützung aus dem Land heraus brauchen. Aber wir sind in Oberösterreich nicht alleine. Das trifft auch alle anderen Bundesländer in ganz Österreich. Und daher braucht es unter anderem auch Maßnahmen auf der Bundesebene, um hier wirklich auch insgesamt, dorthin die Gelder fließen zu lassen, wo auch die Aufgaben gemacht werden.“
Mittlerweile müssen Gemeinden auf Projekte verzichten oder diese anders reihen, so Langer-Weninger:
„Das ist natürlich derzeit die Situation, dass wir 220 haben, die im Härteausgleich, so nennen wir das, sind, die dann aber einige Kriterien einhalten müssen, 19 Kriterien an der Zahl. Wenn diese Kriterien eingehalten werden, dann bekommen sie vom Land Oberösterreich die entsprechende Unterstützung, um auf eine schwarze Null zu kommen und sie bekommen zusätzliche Mittel, die sogenannten Ansparmittel, damit sie dann auch Projekte umsetzen können in den Gemeinden. Denn wir wollen ja nicht, dass Stillstand herrscht in Oberösterreich, denn auch die öffentlichen Einrichtungen sind ja wesentlich, um auch wieder Konjunkturbelebung zu betreiben. Das heißt, wir wollen natürlich auch Projekte unterstützen in den Gemeinden und deshalb helfen wir den Härteausgleichsgemeinden genauso wie auch jenen Gemeinden, die es noch schaffen auszugleichen.“
Wenn es eine einzige Maßnahme gebe, die man sofort umsetzen könnte, Landesrätin Langer-Weninger hätte eine am Schirm:
„Das wäre eine Maßnahme, die sehr schwierig diskutiert wird und die vielleicht hoffentlich auch in Umsetzung kommen wird. Aber wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich den Finanzausgleich so gestalten, dass wirklich dort, wo die Aufgaben erledigt werden, das Geld auch hinkommt. Das würde dem Bund, den Ländern und vor allem den Gemeinden helfen. Und es würde vor allem der gesamten Bevölkerung helfen, weil es mehr Lebensqualität schaffen würde.“
2027 wird in OÖ gewählt – wirft diese Wahl schon ihre Schatten voraus?
„Das haben natürlich Wahlen so an sich, dass manche vielleicht schon ein bisschen unrund werden oder aufgeregt sind oder sich in Stellung bringen, so wie Sie es bezeichnen. Das beschäftigt mich viel weniger, denn ich denke, wir sind politisch für sechs Jahre gewählt und es sind noch eineinhalb Jahre mindestens bis zu dieser Wahl hin. Das heißt, wir haben noch sehr, sehr viel Zeit, um sehr viele Dinge auf den Weg zu bringen und wirklich auch abzuarbeiten. Und das sehe ich auch als meine Aufgabe, dass wir wirklich die Dinge bearbeiten und zum Guten lösen, damit die Bevölkerung auch wirklich sagen kann, hier wurde etwas erreicht und das passt, was die dort gemacht haben.“

